Ein allgemein üblicher Brauch

 

 Zu der Zeit als das Buch Mormon gedruckt wurde, waren viele Menschen damit beschäftigt, nach vergrabenen Schätzen zu suchen. Am 24. Juli 1822 druckte der Palmyra Herald folgende Aussage aus dem „Montpelier (Vt.) Watchman“ ab:

„In der Tat ist das Graben nach Geld, das in der Erde verborgen liegt, eine sehr gewöhnliche Sache und in diesem Staat wird es sogar als ehrenvolle und einträgliche Beschäftigung angesehen. Wir könnten, wenn wir wollten, mindestens fünfhundert ehrbare Männer nennen, die mit der Einfachheit und Ernsthaftigkeit ihrer Herzen glauben, dass unermessliche Schätze in unseren Green Mountains verborgen liegen. Viele von ihnen sind etliche Jahre lang höchst arbeitsam und beharrlich damit beschäftigt gewesen, sie auszugraben.“

Am 16. Febr. 1825 druckte das Wayne Sentinel (eine Zeitung, die in Joseph Smiths Nachbarschaft herausgegeben wurde) folgendes aus dem „Windsor (Vermont) Jour.“ ab:

Money digging. – Wir bedauern, selbst in diesem erleuchteten Zeitalter eine so vorherrschende Neigung beobachten zu müssen, den Berichten vom Wunderbaren zu glauben. Sogar die schrecklichen Geschichten von Geld, das unter der Erdoberfläche versteckt und vom Teufel oder Robert Kidd verzaubert sein soll, werden von vielen unserer angesehenen Mitbürger als Wahrheiten angesehen...

Ein angesehener Gentleman in Tunbridge wurde durch einen Traum informiert, dass eine Kiste mit Geld auf einer kleinen Insel vergraben war… er machte sich auf, um sich mit dem Schatz zu bereichern. Nachdem er von der Mineralien-Rute dahin geführt worden war, wo er nach dem Geld suchen sollte, grub er die Erde ab… Alsbald stießen er und seine Arbeiter… auf eine Goldkiste… Einer aus der Gruppe trieb eine alte Feile durch den verrotteten Deckel der Kiste und… die Kiste bewegte sich durch den Matsch hinweg und man hatte seither nichts mehr von ihr gesehen oder gehört… Ob er tatsächlich diese Kiste sah oder ob es die Vision eines verdorbenen Gehirns war, das überlassen wir der Öffentlichkeit zur Beurteilung.“


ein Bild

Eine Ablichtung aus Journal of Discourses, Bd. 19, Seite 37. Brigham Young spricht über Schatzjägerei

 

Viele Leute, die zur Zeit Joseph Smiths nach verborgenen Schätzen gruben, waren abergläubisch. Es gab viele merkwürdige Geschichten in Verbindung mit dieser Schatzjägerei. Martin Harris, einer der drei Zeugen des Buches Mormon, erzählte folgendes:

Herr Stowel befand sich zu dieser Zeit beim alten Herrn Smith, um nach Geld zu graben. Es wurde von diesen Geldgräbern berichtet, dass sie Kästen gefunden hätten, aber ehe sie sie sichern konnten, wären sie in die Erde gesunken. Ein aufrichtiger alter Presbyterianer erzählte mir, dass er in den Susquehannah-Ebenen bis zu einer Eisenkiste hinuntergrub, dass er den Dreck mit seiner Schaufel herunterkratzte, aber nichts dabei gehabt hätte, um die Kiste zu öffnen, dass er wegging, um Hilfe zu holen, und als sie zurückkamen, bewegte sie sich zwei oder drei Wurzeln tief in die Erde, und sie konnten sie nicht kriegen. Es gab viele merkwürdige Ansichten. Einmal war plötzlich das alte Schul-Blockhaus erleuchtet und es jagte sie mit Schrecken davon. Samuel Lawrence erzählte mir, dass, während sie gruben, ein großer Mann, der acht oder neun Fuß groß zu sein schien, kam und sich auf den First der Scheune setzte und andeutete, dass sie gehen müssten. Sie erwiderten mit Gebärden, dass sie nicht gehen würden, aber danach bekamen sie Angst und verließen den Ort. Ein anderes Mal, während sie gruben kam eine Gruppe von Reitern und jagte sie mit Schrecken davon. Diese Dinge waren für sie Wirklichkeit, glaube ich, da man sie mir im Vertrauen erzählte, und sie wurden von verschiedenen Leuten erzählt und ihre Geschichten stimmten überein, und sie schienen aufrichtig zu sein – Ich weiß, dass sie aufrichtig waren.“ (Ein Interview mit Martin Harris, veröffentlicht in Tiffany’s Monthly, 1859, S. 165)

 

Bei einer anderen Gelegenheit gab Martin Harris zu, dass er an einigen Geldgräber-Aktivitäten teilgenommen hatte und dass eine Steinkiste in den Hügel zurückglitt: „Martin Harris (zu einer Gruppe von Heiligen in Clarkston, Utah, in den 1870ern sprechend): Ich möchte euch eine wunderbare Sache erzählen, die sich ereignete, nachdem Joseph die Platten gefunden hatte. Drei von uns nahmen einiges an Werkzeug mit, um zum Hügel zu gehen und nach weiteren Kisten oder Gold oder sonstigem zu jagen, und tatsächlich fanden wir eine Steinkiste. Wir waren ziemlich aufgeregt darüber und gruben recht sorgfältig drumherum und wir waren bereit, sie herauszuholen, aber seht, durch eine unsichtbare Macht GLITT SIE ZURÜCK IN DEN HÜGEL. Wir standen da und schauten sie an und einer von uns nahm eine Krähenstange und versuchte sie durch den Deckel zu treiben, um sie zu halten, aber sie rutschte ab und brach eine Ecke der Kiste ab. Irgendwann wird jene Kiste gefunden werden und dann werdet ihr sehen, dass die Ecke abgebrochen ist, und dann werdet ihr wissen, dass ich die Wahrheit gesagt habe.“ (Zeugnis von Frau Comfort Godfrey Flinders, Utah Pioneer Biographies, Bd. X, S. 65, Genealogische Gesellschaft von Utah, wie in einem unveröffentlichten Manuskript von LaMar Petersen zitiert)

 

Es scheint so, dass sogar Brigham Young, der zweite Präsident der Mormonenkirche,  vom Aberglauben seiner Zeit beeinflusst worden war. In einer Predigt, gegeben am 17. Juni 1877, erklärte er:

„Wissen Sie eigentlich, wie man eine solche Mine findet? Nein, Sie wissen es nicht. Diese Schätze, die sich in der Erde befinden, werden sorgfältig bewacht; sie können von Ort zu Ort bewegt werden, gemäß dem Wohlgefallen dessen, der sie erschuf und besitzt…

Orin P. Rockwell ist ein Augenzeuge von einigen Mächten, die die Schätze der Erde fortbewegten. Er war mit einigen Gruppierungen zusammen, die in der Nähe des Ortes lebten, wo die Platten gefunden wurden, die die Berichte des Buches Mormon enthielten. Dort befanden sich weit größere Mengen an Schätzen, die von den Nephiten verborgen wurden. Porter war eines Nachts mit ihnen dort unterwegs, wo sich Schätze befanden, und sie konnten sie ziemlich leicht finden, aber sie konnten sie nicht bergen.

Ich werde Ihnen eine Geschichte erzählen… mir von Porter erzählt… er ist ein Mann, der nicht lügt. Er sagte, dass sie in dieser Nacht, als sie damit beschäftigt waren, nach diesen alten Schätzen zu jagen, um das Ende einer Kiste für etwa 20 Inch herum gruben. Die Kiste war etwa 3 Fuß im Quadrat. Ein Mann, der dazu bestimmt war, den Inhalt der Kiste zu haben, nahm seinen Pickel und schlug in den Deckel und brach in die Kiste ein. Der Schlag löste ein Stück des Deckels ab, den eine bestimmte Dame bis sie starb in ihrem Besitz behielt. Jene Geldkiste marschierte in die Bank. Porter beschreibt es folgendermaßen (indem er ein rumpelndes Geräusch machte); er sagt, dies ist ebenso wahr wie die Himmel. Ich habe andere dieselbe Geschichte erzählen gehört. Ich erzähle dies, weil es für Sie erstaunlich ist. Aber für diejenigen, die diese Dinge verstehen, ist es nicht erstaunlich… Ich könnte von vielen sehr ungewöhnlichen Begebenheiten erzählen… Ich glaube, ich werde mir die Freiheit nehmen, Ihnen von einer anderen Begebenheit zu erzählen, die so erstaunlich ist wie etwas überhaupt sein kann… Oliver Cowdery ging mit dem Propheten Joseph, als er diese Platten wegbrachte. Joseph übersetzte nicht alle Platten; es gab einen versiegelten Teil… der Engel wies ihn an, sie zum Hügel Cumorah zurück zu bringen, was er tat. Oliver sagt, dass, als Joseph und Oliver dort ankamen, sich der Hügel öffnete und sie in eine Höhle hineingingen, in der sich ein großer und geräumiger Raum befand. Er sagt, er dachte nicht darüber nach, ob sie zu jener Zeit das Sonnenlicht oder künstliches Licht hatten, aber dass es so hell war wie am Tage. Sie legten die Platten auf einen Tisch; es war ein großer Tisch, der im Raum stand. Unter diesem Tisch befand sich ein Stapel von Platten so hoch wie zwei Fuß und es befanden sich insgesamt in diesem Raum MEHR PLATTEN ALS WAHRSCHEINLICH MEHRERE WAGENLADUNGEN. Sie waren in den Ecken und an den Wänden entlang aufgestapelt. Beim ersten Mal, als sie dort waren, hing das Schwert Labans an der Wand; aber als sie ein weiteres Mal dort waren, war es herunter genommen und lag auf dem Tisch quer über die Goldplatten; es war aus der Scheide gezogen und folgende Worte waren auf ihm geschrieben: „Dieses Schwert wird nicht eher in die Scheide zurückgesteckt werden, bis die Königreiche dieser Welt zum Königreich unseres Gottes und seinem Christus werden.’…

…Das Volk weiß es nicht, aber ich weiß, dass es ein Siegel auf den Schätzen der Erde gibt; den Menschen ist es gestattet, so weit zu gehen und nicht weiter. Ich habe Orte gekannt, wo es Schätze im Überfluss gab; aber konnten die Menschen sie bekommen? Nein. Ihr könnt im Buch Mormon von den alten Nephiten lesen, wie sie ihre Schätze festhielten und sie schlüpfrig wurden, so dass, nachdem sie ihr Geld heimlich versteckt hatten und wieder zu dem Ort zurückkehrten, hört und seht, es nicht mehr da war, aber sich irgendwo anders befand, aber sie wussten nicht wo.“ (Eine Predigt von Brigham Young, gegeben bei einer besonderen Konferenz, die in Farmington am 17. Juni 1877 abgehalten wurde, Journal of Discourses, Bd. 19, S. 36-39)

 

Brigham Young erzählt auch, dass sogar die Priester der verschiedensten Kirchen von einem Wahrsager beeinflusst wurden:

„Ich habe noch nie solche Schwüre von den Lippen eines Mannes fallen gehört, wie ich sie von einem Mann aussprechen gehört habe, der Wahrsager genannt wurde und der wusste, wo jene Platten verborgen waren. Er ging dreimal in einem Sommer, um sie zu erlangen, - im selben Sommer, in dem Joseph Smith sie erhielt. Baptistische, presbyterianische und methodistische Priester und Diakone LIEßEN IHN KOMMEN, um zu erfahren, wo diese Platten waren und um sie aus dem Hügel, wo sie gelagert waren, herauszubekommen;… dieser Wahrsager… war ein Mann von großer Gelehrtheit.

Er eignete sich jedes Wissen in den Staaten an, -… er war zum Priester ausgebildet worden und wandelte sich zu einem Teufel… Er konnte genauso gut wie der beste von ihnen predigen und ich hörte nie jemanden schwören wie er. Er konnte sagen, dass die Platten dort waren und dass sie ein Schatz wären, dessen Wert für das Volk unsagbar wäre; denn ich selbst hörte ihn das sagen.“ (Anmerkungen von Brigham Young, 19. Juli 1857, Journal of Discourses, Bd. 5, S. 55)

 

„Der Mann, auf den ich mich beziehe, war ein Wahrsager, ein Zauberer der schwarzen Magie, ein Astrologe, ein Kaffeesatzleser und er besaß so viel Begabung wie jeder, der auf dem amerikanischen Boden wandelte, und er war einer der übelsten Männer, die ich je sah. Das letzte Mal als er hinging, um den Schatz zu bergen, WUSSTE ER, WO ER WAR und er erzählte es, aber er kannte nicht seinen Wert. Erlauben Sie mir zu sagen, dass ein Baptisten-Diakon und andere von Josephs Nachbarn genau die Männer waren, die diesen Zauberer kommen ließen, als er das letzte Mal nach dem Schatz auf Suche ging… Er würde Joseph mit allem betiteln, was schlecht war, und sagen: ‚Ich glaube, er wird nach allem den Schatz bekommen.’ Er bekam ihn und der Krieg begann sofort.“ (Journal of Discourses, Bd. 2, S. 180-181)

 

Im Palmyra Reflector von 1831 wird vermutet, dass es zwischen dem ‚Wahrsager’ und Joseph Smith eine Beziehung gab:

„Es ist wohlbekannt, dass Jo Smith niemals vorgab, irgendwelchen Kontakt mit Engeln zu haben, und zwar eine lange Zeit nach der ANGEBLICHEN Auffindung dieses Buches, und dass seine oder seines Vaters Betrügereien nicht weitergingen als die angebliche Fähigkeit Wunder in einem Seherstein zu sehen und das gelegentliche Gespräch mit dem Geist, der angeblich für den Schutz verborgener Schätze zuständig sei. Und es ist auch ebenso wohlbekannt, dass ein vagabundierender Wahrsager namens Walters… der ständige Begleiter und Busenfreund dieser geldgrabenden Betrüger war.

Da bleibt wenig Zweifel in den Köpfen all jener, die mit diesen Verrichtungen völlig vertraut waren, dass Walters, der manchmal der Zauberer genannt wurde und mit drei Dollar pro Tag für seine Dienste von den Geldgräbern in dieser Nachbarschaft bezahlt wurde, als erster Smith die Idee vom Auffinden eines Buches vorschlug. Walters… hatte ein altes Exemplar von Ciceros Reden in lateinischer Sprache, aus dem er lang und laut seinen leichtgläubigen Zuhörern vorlas, indem er gleichzeitig einen unverständlichen Jargon von sich gab, den er anschließend angeblich übersetzte, und erklärte, dass es sich um einen Bericht der früheren Einwohner Amerikas handelte und um einen speziellen Bericht über die Örtlichkeiten, wo sie ihre Schätze vor ihrer endgültigen Ausrottung gelagert hatten.“ (The Palmyra Reflector, 28. Feb. 1831, wie in A New Witness For Christ in America, Bd. 2, S. 73 zitiert.)

 

Wie auch immer alles gewesen sein mag, die frühen Mormonenführer wuchsen zu einer Zeit auf, als die Leute sehr abergläubisch waren. Der Mormonenhistoriker B. H. Roberts machte folgende Bemerkungen:

„Leichtgläubigkeit: Ja, die Vorfahren des Propheten waren in sofern leichtgläubig, dass einige von ihnen glaubten, dass sie durch die Macht des Glaubens an Gott von körperlichen Leiden geheilt wurden. Andere hatten Träume wie ihre Nachbarn… Man muss zugeben, dass einige von ihnen an Wahrsagerei, Zauberer und Hexen glaubten -… In der Tat ist es kaum begreiflich, wie jemand in jenen Jahren in New England leben konnte und nicht an solchem Glauben teilhatte. Leichtgläubig an solche Dinge zu glauben war für die Leute normal.“ (A Comprehensive History of the Church, von B. H. Roberts, Bd. 1, S. 26-27)

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Eine Übersetzung aus "Mormonism - Shadow or Reality?" von Sandra und Jerald Tanner.
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